Kleingartenverein "Am Kienberg" e.V.
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Verfasst am 13.10.2026 um 15:43 Uhr

Voller Leben – wie Totholz den Garten bereichert    

Totholz zählt zu den wertvollsten Lebensräumen der Natur. Wenn Sie Äste, Stämme oder Baumreste bewusst im Garten belassen, bieten Sie zahlreichen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten damit ein Habitat. Dabei unterstützen Sie gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit, den Klimaschutz und das natürliche Gleichgewicht im Garten.


Was genau ist Totholz?

Als Totholz bezeichnet man abgestorbene Bäume und Baumteile wie Wurzeln, Stümpfe oder Äste. Dazu zählen alle Stadien der Zersetzung – vom frisch abgestorbenen Ast am lebenden Baum bis hin zu nahezu vollständig zersetztem Holz.


Käfer bis Feuersalamander

Allein in Deutschland sind rund 1400 Käferarten auf Totholz angewiesen. Darüber hinaus bietet es zahlreichen Wildbienen, Pilzen, Flechten, Moosen, Vögeln und Fledermäusen sowie unzähligen Mikroorganismen einen Lebensraum. Viele Arten verbringen ihr gesamtes Leben oder wichtige Entwicklungsstadien im oder am Totholz.


Jede Zersetzungsphase bietet anderen Lebewesen einen Lebensraum. Frühe Besiedler, darunter verschiedene Bockkäfer und andere holzbewohnende Käferarten, bohren Gänge in das Holz und schaffen damit Zugänge für weitere Insekten, Pilze und Mikroorganismen. Die Insekten locken Fressfeinde wie Spechte an. Diese schlagen größere Höhlen in das Holz, in die später andere Vogelarten und mitunter auch Fledermäuse einziehen. Einige Wildbienenarten legen ihre Brut in verlassenen Käfergängen an.
Auch Zauneidechsen nutzen sonnige Stämme zum Aufwärmen. Feuersalamander schätzen dagegen das feuchte Mikroklima unter liegenden Stämmen. Erdkröten, Spitzmäuse, Igel, Siebenschläfer und viele andere Tiere suchen dort Nahrung und Schutz.


Totholz kann Wasser wie ein Schwamm aufnehmen und speichern. An heißen Tagen trägt die langsame Verdunstung zu einem feuchten, kühlen Mikroklima bei. Zugleich bleibt ein Teil des im Holz enthaltenen Kohlenstoffs während der oft langwierigen Zersetzung gespeichert und wird teilweise in den Boden überführt. Damit leistet Totholz auch einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz im Garten. Nach und nach übernehmen Pilze, Bakterien, Asseln, Tausendfüßer und andere Bodenorganismen die weitere Zersetzung. Dabei entsteht Humus: Der Boden kann mehr Wasser speichern und wird zunehmend fruchtbarer.


Totholz im Kleingarten

Verschiedene Tiere benötigen unterschiedliche Holzarten und Stand-orte. Kombinieren Sie liegende, stehende und teilweise in den Boden eingelassene Stämme. Wenn Sie außerdem sonnige und schattige Plätze sowie dicke und dünne Äste und Zweige einbeziehen, schaffen Sie besonders vielfältige Lebensbedingungen.
Ökologisch besonders wertvoll sind heimische Laubbaumarten wie Eiche, Hainbuche, Buche, Ahorn und Linde sowie das Holz von Obstbäumen. Viele spezialisierte heimische Arten sind an diese Gehölze angepasst. Holz gebietsfremder Baumarten kann zwar ebenfalls besiedelt und zersetzt werden, ist für solche Spezialisten jedoch meist weniger wertvoll.

Stehendes Totholz, beispielsweise ein abgestorbener Obstbaum, gehört zu den wertvollsten Totholzstrukturen, weil es zahlreichen Tieren Lebensraum bietet. Selbst im Wurzelbereich finden zahlreiche Bodenorganismen Nahrung und Unterschlupf. Nebenbei sparen Sie sich das lästige Fräsen und schonen den Boden. Natürlich muss der Baum stabil stehen und darf niemanden gefährden. Die Krone kann bei Bedarf eingekürzt oder entfernt werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Im Zweifelsfall sollte eine Fachkraft den Baum beurteilen.
Alternativ lässt sich ein Stammstück oder ein dicker Ast senkrecht in den Boden setzen. Möchten Sie zusätzliche Nistmöglichkeiten für Wildbienen schaffen, können Sie gut abgelagertes, entrindetes Hartholz mit unterschiedlich großen Bohrgängen versehen. Die Löcher sollten bevorzugt seitlich ins Längsholz gebohrt werden, sauber und splitterfrei sein und dürfen das Holz nicht vollständig durchdringen.


Unzählige Käferarten sind auf Totholz angewiesen, so wie der Nashornkäfer (Oryctes nasicornis). 

Eine Totholzhecke ist besonders praktisch. Für eine Totholzhecke schlagen Sie zunächst zwei Reihen stabiler Pfähle in den Boden. Dazwischen können Sie Äste, Reisig und Stämme unterschiedlicher Dicke aufschichten. Legen Sie die dicksten Stämme und Äste nach unten, dünnes Reisig und Zweige kommen darüber. Die Pfähle sollten etwa 1 m voneinander entfernt sein und fest im Boden stehen. Zwischen den beiden Reihen bleibt ein Abstand von ungefähr 50 bis 60 cm. Das ist später die Breite der Hecke. Durch die Verrottung sinkt sie langsam zusammen und kann immer wieder ergänzt werden. So lässt sich viel Schnittgut sinnvoll verwerten.


Woher bekommen?

Obstbaum- und Strauchschnitt, abgestorbene Äste oder Baumstämme eignen sich hervorragend. Geeignetes Holz finden Sie häufig auch außerhalb des eigenen Gartens – und das meist kostengünstig. Baumpflegebetriebe, Grünflächenämter oder Gartennachbarn geben Stämme und größere Äste häufig gerne ab – manchmal sogar kostenlos.

Bitte entnehmen Sie kein Totholz aus Wäldern oder anderen natürlichen Lebensräumen. Dort erfüllt es bereits eine wichtige ökologische Funktion und kann von spezialisierten Arten besiedelt sein. Wer das Holz entnimmt, zerstört diesen Lebensraum und verschleppt oder tötet möglicherweise die darin lebenden Tiere.


Ruhe bewahren

Das Wichtigste, was Totholz braucht, ist Zeit und Ruhe. Viele Holzarten benötigen Jahre oder sogar Jahrzehnte zur vollständigen Zersetzung. Auch Käfer, Wildbienen und andere Tiere ziehen nicht von heute auf morgen ein. Lassen Sie das Totholz deshalb möglichst lange ungestört.

Ungeeignet sind behandeltes, lackiertes oder imprägniertes Holz sowie Holz mit Kunststoff- oder Metallresten, da es Schadstoffe enthalten oder Tiere verletzen kann. Kurzzeitig gelagertes Brennholz ist ebenfalls kein dauerhaftes Totholzhabitat. Bleibt Brennholz über längere Zeit liegen, können sich Tiere darin ansiedeln und beim späteren Verbrennen getötet werden.

Beachten Sie in Kleingartenanlagen außerdem die geltenden Regeln, beispielsweise zu Grenzabständen und zur Größe von Totholzhecken.


Totholzhecken begrünen
Totholzhecken zu begrünen sieht nicht nur toll aus. Wildbienen, aber auch erwachsene Käfer, stehen auf Pollen und Nektar heimischer Stauden. Also wieder eine Win-win-Situation für Mensch und Tier.
Möchten Sie Ihre Totholzhecke begrünen, können Sie im Schatten beispielsweise Kriechenden Günsel, Ausdauerndes Silberblatt, Roten Fingerhut, Nesselblättrige Glockenblume, Weiße Taubnessel oder Klebrigen Salbei pflanzen. Für Sonne und Halbschatten empfehle ich Königskerze, Johanniskraut, Acker-Glockenblume, Berg-Steinkraut, Wilde Malve, Wilde Möhre, Gelbe Resede, Polei-Minze, Blutweiderich, Wiesensalbei, Echten Eibisch und Leinkraut.


Keine Angst vor Schädlingen

Die Angst vor Schädlingen ist unbegründet. Im Gegenteil: Totholz fördert zahlreiche Nützlinge und natürliche Gegenspieler potenzieller Schädlinge. Die überwiegende Mehrheit der Totholzbewohner und holzzersetzenden Pilzarten lebt ausschließlich von bereits abgestorbenem Holz und greift keine gesunden, lebenden Bäume an. Frisches von bestimmten Schädlingen oder ansteckenden Pflanzenkrankheiten befallenes Schnittgut sollte allerdings nicht in eine Totholzhecke eingebracht werden. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, die befallenen Pflanzenteile fachgerecht zu entsorgen.


Ein Gewinn für jeden Garten

Aus vermeintlichem Gartenabfall können Sie mit wenig Aufwand einen wertvollen Lebensraum schaffen. Ein Baumstumpf, eine Wurzel, ein Asthaufen oder eine Totholzhecke bringen Leben in den Garten, fördern die Artenvielfalt und fügen sich natürlich in das Gesamtbild ein. Kaum eine andere Naturschutzmaßnahme ist so einfach, günstig und wirkungsvoll wie Totholz im Garten.


Annie Stamm-Grossjohann

Mitarbeiterin für Gartenfachberatung beim Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V. 

10/2026


Bildnachweise:

Totholz: Wilhelm Zimmerling PAR, CC BY-SA 4.0

Nashornkäfer (Oryctes nasicornis): Hectonichus, CC BY-SA 3.0